Ein König ging im Monat Mai

An einem grünen Wald vorbei,

Kuckuck!

Mit finstrem Aug' und finstrem Sinn,

So brütete er vor sich hin.

Kuckuck! Kuckuck!

 

Das Blühen all, ihm blüht es nicht,

Der Winter steht ihm im Gesicht;

Kuckuck!

»So viele Köpf' beherrsche ich,

Kein Herz in Liebe schlägt für mich!«

Kuckuck! Kuckuck!

 

»Da hör' ich ja den Kuckuck schrein;

Das soll ein weiser Vogel sein.«

Kuckuck!

»Du weiser Vogel sag' mir doch,

Wie lange Jahre herrsch' ich noch?«

Kuckuck! Kuckuck!

 

Der Vogel hüpft auf grünem Zweig

Und ruft durch's freie Frühlingsreich:

Kuckuck!

Der finstre König wird versöhnt,

Weil's fort und immer wieder tönt:

Kuckuck! Kuckuck!

 

Drauf kam ein gnädiger Erlaß

Vom Staatsminister auf die Gaß!

Kuckuck!

Das Volk sei aller Sorge bar:

Der König herrscht noch dreißig Jahr!

Kuckuck! Kuckuck!

 

Der Kuckuck hätt' es ihm vertraut;

Es sei im ganzen Reiche laut;

Kuckuck!

Der Vogel sei auch schon gefang'n,

Und ihm ein Orden umgehang'n.

Kuckuck! Kuckuck!

 

So oft nun Seine Majestät

In Zorn und Wuth auf's Volk geräth -

Kuckuck!

Hört man im ganzen Lande flehn:

O möcht' er doch zum Kuckuck gehn!

Kuckuck! Kuckuck!


Das Gedicht "Kuckuck!" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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