Es zog ein Lüderjan über das Feld;

Der hatt' einen Beutel und hatte kein Geld,

Er wird es wohl bekommen!

 

Und als er kam in die große Stadt,

Er weder Speise noch Obdach hatt'.

Es wird sich Alles finden!

 

»Was treibst Du umher dich als Lüderjan?

Sollst jährlich Dreihundert Thaler ha'n,

Wenn du willst Censor werden.«

 

Nein, für Dreihundert Thaler das Jahr,

Da werd' ich nicht aller Ehren bar,

Will ich mich nicht beschimpfen.

 

»Was treibst Du umher dich als Lüderjan?

Sollst jährlich Sechshundert Thaler ha'n,

Wenn du willst Censor werden.«

 

Für Sechshundert Thaler thu' ich es Euch,

Da ist mir Ehre und Schande gleich,

Da will ich Censor werden.

 

Du Censor, du Henker, du Mörder, du Dieb!

Kein Mensch mag dich achten, kein Mensch hat dich lieb,

Für die Sechshundert Thaler!


Das Gedicht "Geschichte von 18 ..." stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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