Mit blauem Aug', mit blondem Haar

Ein Mann von kräft'gem Wuchse war,

Auf Herrmann's Denkmal steht er;

Er wirft den Blick durch Flur und Wald,

Und ruft, daß es wohl mächtig schallt:

Mein Vaterland, mein Vaterland,

Du hast zu viele Väter!

 

Er bricht 'nen grünen Eichenzweig

Als Wanderstock sich ab sogleich,

Und durch die Länder geht er,

Und was er hört und was er sieht,

Er ruft zu Allem, was geschieht:

Mein Vaterland, mein Vaterland,

Du hast zu viele Väter!

 

Er ist gewandert hin und her,

Er hub den Blick, so thränenschwer,

Zu Gott und innig fleht er:

O schling' um unser Vaterland

Der Liebe und der Eintracht Band!

Mein Vaterland, mein Vaterland,

Es hat zu viele Väter!

 

O Mutter, deutsche Freiheit, du,

Ließ' dich dein Lüsten einst in Ruh',

Es reute dich nicht später!

Jetzt ist kein Glück in unserm Haus,

Jetzt rufst du selber mit mir aus:

Mein Vaterland, mein Vaterland,

Du hast zu viele Väter!


Das Gedicht "Die Väter" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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