Tiefer fliegt die Sommerschwalbe;

Vor dem Wetter zucken matt,

Längs der Uferbäume, falbe

Blitze hin von Blatt zu Blatt.

 

Und, aus tausend Kelchen stäubend,

Wallt der Nachtviolen Duft,

Der Jasmine, sinnbetäubend,

Durch die atemschwere Luft.

 

O, ich fühl′s! Mein Herz umstricken

Will noch mächtiger als je

Das verzehrende Entzücken

Von zuvor, das sel′ge Weh;

 

Fühle, daß in Geist und Sinnen

Neu der alte Rausch mir gärt,

Wie, da du mir, Weib, tiefinnen

An des Lebens Mark gezehrt.

 

Ist der Arm noch nicht vermodert,

Der sich heiß um meinen wand?

Nicht der Lippen Glut verlodert,

Die auf meinen oft gebrannt?

 

Wieder deine schwarzen Augen

Seh′ ich flammen über mir;

Aus dem Grab, mein Blut zu saugen,

Steigst du nächtlich als Vampyr.


Das Gedicht "Dolores" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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