Wie süß in dir, o Waldeseinsamkeit,

Mein Thal, wo durch die grünen Blätterwogen

Der Menschheit bange Sorgen nie gezogen,

Hab′ ich verträumt die Sommerzeit!

 

Der Schleier war von der Natur, der Bann,

Der sie von mir getrennt, hinweggenommen,

So freundlich blickte sie mich mit den frommen,

Den seelenvollen Augen an.

 

Was tiefgeheim in ihrem Innern lag,

Ließ sie mich lesen in den trauten Zügen

Und lehrte mich in Menschenlaute fügen,

Was sie im Blätterlispeln sprach.

 

Sie hat mir Frieden in das Herz geflößt,

Antwort gegeben mir auf alle Fragen,

Die angstvoll lang ich in der Brust getragen,

Und jedes Rätsel mir gelöst.

 

Von dir verbannt nun, sel′ger Zufluchtsort,

Seh′ ich ihr neu ums Haupt den Schleier wallen,

Und was sie spricht, ist ein verworrnes Lallen;

Ich such′ umsonst das Lösungswort.


Das Gedicht "Das Waldthal" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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