(Dreißig Jahre später.)

 

Und so folgt das Jahr dem Jahre,

Und mit schwarzem Flor behängt

Steht gerüstet schon die Bahre,

Die im letzten mich empfängt.

 

Tiefer in des Lebens Blüte

Nagt sich täglich ein der Wurm,

Und die Glut, die in mir glühte,

Stirbt erlöschend hin im Sturm.

 

Hin mit jedem Tage schwindet

Etwas, das mir teuer war,

Und der Augen Stern erblindet,

Und zu Grau erbleicht mein Haar.

 

Mag das Eis der Bäche tauen

Und ihr Nest an meinem Dach

Wiederum die Schwalbe bauen,

Nie mein Herz mehr singt sie wach.

 

Durch des Frühlings Glanz und Prangen

Fühl′ ich nur den Grabduft wehn

Derer, die dahingegangen,

Und gleich ihnen muß ich gehn!


Das Gedicht "An meinem Geburtstage" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte