Freund, der mit mir in düstern Stunden

Den Gram der Erde durchgefühlt,

Mit mir die große Qual empfunden,

Die in der Brust der Menschheit wühlt,

 

Der nah mir war in jenen Nächten,

Als ich der Leiden schwerste litt

Und mit des Lebens finstern Mächten

Den ungeheuern Kampf durchstritt!

 

Noch einmal nun, zum letztenmale,

Eh mir der Tod die Wange bleicht,

Biet′ mir in der krystallnen Schale

Den Trank, den du mir oft gereicht,

 

Und singe mir ein Lied von denen,

Die wir geliebt, die oft vereint,

Mit Freuden- und mit Schmerzensthränen,

Wir durchgejubelt, durchgeweint.

 

Zu voller Leidensblüte schließe

Sich dann noch einmal auf mein Herz,

Daß es in eine Zähre gieße

Des ganzen Menschenlebens Schmerz.

 

Und, unbeengt vom dumpfen Schreine,

Laß ruhn mich, tief hinabgelegt,

Wo schmerzhaft zuckend an die meine

Die Brust der Mutter Erde schlägt!


Das Gedicht "An G.T." stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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