Nun nimm mich wieder an deine Brust,

Mein altes, geliebtes Meer!

Noch rollst du in Mut und Jugendluft,

Wie da ich dich ließ, einher.

 

Mir tönt′s aus der brandenden Wogen Schwall

Entgegen wie Freundeslaut;

Als liebe Gespielen begrüß′ ich sie all,

Die ich seit lang nicht geschaut.

 

Ich stürze hinein in die schäumende Flut;

Mir jubelt die Seele mit ihr:

Den Knaben, der einst ihr am Busen geruht,

Erkennt sie freudig in mir.

 

Und wie das Naß, gegeißelt vom Nord,

Die Brust und die Stirne mir kühlt,

Fühl′ ich mir leise vom Herzen fort

Den Rost des Lebens gespült.

 

Die Wangen umkost mir der wirbelnde Schaum,

Es lacht ihn hinweg mein Mund;

Bald schaukelt die Welle mich hoch auf dem Saum,

Bald tauch′ ich hinab in den Schlund.

 

Hinaus! Ins Allunendliche hin!

Das mißt′ ich so manches Jahr.

Ja, altes geliebtes Meer, noch bin

Ich derselbe, der einst ich war.


Das Gedicht "Am Meere" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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