Du Staufe, dem zum Throne

Ein Blutgerüst verliehn,

Der statt der Kaiserkrone

Den Kranz von Rosmarin,

 

Statt Hermelin und Seide

Ein Leichentuch geerbt

Und es zum Purpurkleide

Mit eignem Blut gefärbt;

 

Der nun am wälschen Strande,

Wo fremd die Woge schäumt,

In fremder Männer Lande

Den Lebensschlaf verträumt:

 

Mich grüßt von deinem Steine

Der Heimatklang so traut,

Wie dich in deinem Schreine

Vielleicht mein deutscher Laut.

 

Nimm freundlich hin die Gaben,

Die dir die Liebe streut,

Die Grüße, die dein Schwaben

Durch meine Hand dir beut;

 

Zwei grüne Eichenreiser,

Am Staufenschloß gepflückt,

Wie sie, du junger Kaiser,

Dir oft das Haupt geschmückt,

 

Wenn über Alp′ und Kuppe,

Vom Waldesgrün umwogt,

In froher Jägertruppe

Ihr aus zum Birschen zogt.

 

O schlügen tief und tiefer

Sie Wurzeln in dem Stein,

So wie auf kahlem Schiefer

Die Tannen stolz gedeihn,

 

Und streuten sie als Bäume,

Von frischem Grün umlaubt,

Dir liebe alte Träume

Ums früh gesunkne Haupt!

 

Dann statt des dumpfen Ave,

Das durch die Wölbung hallt,

Umspielte dich im Schlafe

Ein Ton, der süßer schallt;

 

Ein Ton aus besserm Dome,

Aus deutschem Eichenhain,

Ein Gruß vom Donaustrome

Und vom geliebten Rhein,

 

Und säuselnd stiege nieder

Aus grünem Laub der Klang,

So süß wie Uhlands Lieder

Und Walthers Minnesang.


Das Gedicht "Am Grabe Conradins" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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