O zu stromzerrißnen Thälern

Führt mich, wo das Leben schweigt,

Und die Felswand blau und stählern

Unerklimmbar aufwärts steigt;

Wo der Strauch der wilden Rose,

Von der Bäche Schaum besprengt,

Zitternd in die bodenlose

Abgrundtiefe niederhängt!

 

Wenn in Klüften, tief geborsten,

Dort der Sturm das Echo weckt

Und aus ihren Felsenhorsten

Die verstörten Adler schreckt,

Grüßt mit tausendstimm′gen Chören

Mich im Wogenschlag der Seen,

In dem Rauschen durch die Föhren

Des Naturgeists ew′ges Wehn.

 

Mächtiger! In deinen Schauern

Fühl′ ich mit gehobner Brust

Nicht der Erde kleines Trauern

Mehr, noch ihre kleinre Lust;

Fühle nur, wie deine Schwinge

Aufwärts meine Seele trägt

Und das große Herz der Dinge

Mächtig an das meine schlägt.


Das Gedicht "Allein mit der Natur" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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