Fürwahr, der Frühling ist erwacht;
    Den holden Liebling zu empfah′n,
Hat sich mit frischer Blumenpracht
    Die junge Erde angetan.

Die muntern Vögel, lieberwärmt,
    Begeh′n im grünen Hain ihr Fest.
Ein jeder singt, ein jeder schwärmt,
    Und bauet emsig sich sein Nest.

Und Alles lebt und liebt und singt
    Und preist den Frühling wunderbar,
Den Frühling, der die Freude bringt;
    Ich aber bleibe stumm und starr.

Dir, Erde, gönn′ ich deine Zier,
    Euch, Sänger, gönn ich eure Lust,
So gönnet meine Trauer mir,
    Den tiefen Schmerz in meiner Brust.

Für mich ist Herbst; der Nebelwind
    Durchwühlet kalt mein falbes Laub;
Die Äste mir zerschlagen sind,
    Und meine Krone liegt im Staub.


Das Gedicht "Frühling und Herbst" stammt von   (1781 - 1838).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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