Ist′s ein Wunder, daß dich alle lieben,

Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,

Meine Seufzer sind bei dir geblieben

Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,

Wer zu athmen wagt an deinem Munde

Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,

Diese Seufzer mancher trüben Stunden,

Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.

 

Zu lebendig war des Herzens Hoffen,

Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,

Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,

Meine Liebe fühl′ ich drinnen schlagen;

Leb′ ich nun in Andern, die dich lieben,

Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,

Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,

Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.

 

Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern

Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,

Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,

Ich entlaß euch in die blauen Weiten,

Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,

Sei′s die Jugend, die ich heut entlassen,

Was auch komme, nichts will ich vermeiden,

Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.


Das Gedicht "Abschied für immer (2)" stammt von   (1781 - 1831).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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