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Das Herz


Das wilde Herz ward weiß am Wald;

O dunkle Angst

Des Todes, so das Gold

In grauer Wolke starb.

Novemberabend.

Am kahlen Tor am Schlachthaus stand

Der armen Frauen Schar;

In jeden Korb

Fiel faules Fleisch und Eingeweid;

Verfluchte Kost!

 

Des Abends blaue Taube

Brachte nicht Versöhnung.

Dunkler Trompetenruf

Durchfuhr der Ulmen

Nasses Goldlaub,

Eine zerfetzte Fahne

Vom Blute rauchend,

Daß in wilder Schwermut

Hinlauscht ein Mann.

O! ihr ehernen Zeiten

Begraben dort im Abendrot.

 

Aus dunklem Hausflur trat

Die goldne Gestalt

Der Jünglingin

Umgeben von bleichen Monden,

Herbstlicher Hofstaat,

Zerknickten schwarze Tannen

Im Nachtsturm,

Die steile Festung.

O Herz

Hinüberschimmernd in schneeige Kühle.


Georg Trakl
(* 03.02.1887, † 03.11.1914)




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