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In Glorie


Er kleidete in weiche Seide sich

und trank von Weinen, davon jeder Tropfen

so teuer kam wie eine edle Perle.

Sein Haus, mit Werken hoher Kunst geschmückt,

umgab ein Park, in dem die schönsten Vögel,

die Nord und Süd gebiert, ihr Preislied sangen.

Wo Park und Wald zusammenstießen, lag

ein silberklar Gewässer. Sommernachts,

wenn Mondlicht auf den weichen Fluten spielte

und aus dem Thale sanfte Flöten tönten,

gab er des Leibes heiliges Geheimnis

den Wassern preis, und küßte junge Schwäne,

die, ihre Flügel öffnend, zu ihm schwammen.

Ein zärtlich Lächeln lag um seinen Mund,

in seinen scheuen märchentiefen Augen,

den weichen Kinderaugen; und doch war

ein Tiger dieser Mensch .. der Purpurtrank,

den seine Lippen schlürften: rauchend Blut,

das Haus des Friedens, drin er wie ein Priester

im weißen Kleide hinschritt, aufgebaut

aus Raub und Diebstahl.

Mit der Priestermiene

ging er am Sonntag Morgen auf die Flur

und zwang mit seines Willens wilder Kraft

die stillen thaubenetzten Sommerblumen,

daß sie ihr innerstes Geheimnis ihm

ins lauschbegierige Ohr bekannten, zwang

das leichtbehufte Roß auf weiter Pußta,

den singenden Delphin in blauer Meerflut,

den lavaroten Krater, weiße Gletscher,

den goldnen Mittag, die Johannisnacht,

die Sphinx: das Weib, daß alle alle sie,

von seinem wilden Wissensdurst bedräut,

ihr letztes heiliges Mysterium

ihm offenbarten.

Und er?

Schreiend vor Lust,

dem Adler gleich, der die gewonnene Beute

zur Sonne trägt, entfloh in dieses Thal,

und baute aus dem Golde der Erfahrung

sich hier sein Königshaus.

Er war ein Dichter.



(* 22.07.1859, † 28.04.1927)




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