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Stirb, Lieb' und Freud'


Zu Augsburg steht ein hohes Haus,

Nah bei dem alten Dom,

Da tritt am hellen Morgen aus

Ein Mägdelein gar fromm;

Gesang erschallt,

Zum Dome wallt

Die liebe Gestalt.

 

Dort vor Marias heilig′ Bild

Sie betend niederkniet,

Der Himmel hat ihr Herz erfüllt,

Und alle Weltlust flieht:

"O Jungfrau rein!

Laß mich allein

Dein eigen sein!"

 

Alsbald der Glocke dumpfer Klang

Die Betenden erweckt,

Das Mägdlein wallt die Hall′ entlang,

Es weiß nicht, was es trägt;

Am Haupte ganz

Von Himmelsglanz

Einen Lilienkranz.

 

Mit Staunen schauen all′ die Leut′

Dies Kränzlein licht im Haar,

Das Mägdlein aber wallt nicht weit,

Tritt vor den Hochaltar:

"Zur Nonne weiht

Mich arme Maid!

Stirb, Lieb′ und Freud′!"

 

Gott, gib, daß dieses Mägdelein

Ihr Kränzlein friedlich trag′,

Es ist die Herzallerliebste mein,

Bleibt′s bis zum jüngsten Tag.

Sie weiß es nicht,

Mein Herz zerbricht,

Stirb, Lieb′ und Licht!



(* 18.09.1786, † 21.02.1862)




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