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Die Verliebte


Doris ach! du willst nicht fühlen,

Wie die Zephyrs lispelnd spielen?

Diese Gärten, diese Wiesen,

Werden dir umsonst gepriesen?

Die Natur, mit ihren Schätzen,

Kann dich nicht einmal ergetzen?

Vermuthlich bist du verliebt.

 

In das Kloster willst du ziehen?

Vor den Menschen willst du fliehen?

Finstre, räthselvolle Schriften,

Sollen deine Ruhe stiften?

Und das Glück, vergnügt zu leben,

Soll die Einsamkeit dir geben?

Ohnfehlbar bist du verliebt.

 

Deine Jugend hinzubringen,

Willst du bethen oder singen?

Um dein Leben wohl zu enden,

Läßt du dir den Cubach senden?

Und, um unbeklagt zu sterben

Soll dein Kloster von dir erben?

Wahrhaftig bist du verliebt!

 

Sieh, hier kömmt Myrtill gegangen.

Sieh, er zittert vor Verlangen,

Dich inbrünstig zu umfangen.

Sieh, es blühn auf seinen Wangen

Rosen, die bey Liljen prangen!

Sieh, itzt wird er dich umfangen!

O! Doris, wärst du verliebt!

 

Doch was seh ich? voll Entzücken,

Wandelst du mit deinen Blicken,

Die doch schon im Himmel irrten,

Auf den Wangen dieses Hirten?

Ach sie küßt ihn! Kinder! bebet!

Sarg und Bahre - - - Nichts! sie lebet.

Sie ist gewaltig verliebt.



(* 25.11.1725, † 29.01.1782)




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