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Damis und Phillis


Damis

 

Als ich mir noch die süßen Küsse raubte,

Die Phillis itzt mir unerwartet giebt;

Da hab ich sie mehr, als ich selber glaubte,

Mehr als mich selbst, hab ich sie da geliebt.

 

Phillis

 

Als Damis Herz zuerst für mich entbrannte;

Da war mein Glück dem Glück der Fürsten gleich.

Als er mich noch sein braunes Mädchen nannte;

Galt mir sein Kuß mehr, als ein Königreich.

 

Damis

 

Nun macht die Eh der alten Gunst ein Ende,

Und Doris nur befeuret meinen Trieb.

Wie drückten wir einander jüngst die Hände!

Wie war ich ihr, wie war sie mir so lieb!

 

Phillis

 

Itzt könnt ich mich an Thyrsis Kuß ergetzen,

Der meine Reu, nicht ohne Mitleid, hört.

Er ist bereit, mir Damis zu ersetzen,

Und ach! sein Kuß ist einer Sünde werth.

 

Damis

 

Wie? wenn ich itzt die alte Gunst erneute?

Wie? wenn ich dich, die mich zuerst entzückt,

Durch einen Kuß der ersten Art erfreute,

Daß Doris säh, wie mich dein Bund beglückt!

 

Phillis

 

Ich seh es oft aus deinen satten Blicken,

Daß in dein Herz ein kleiner Kaltsinn schleicht:

Doch darf nur ich Dich an mein Herze drücken;

So ist für mich kein Liebster, der Dir gleicht.



(* 25.11.1725, † 29.01.1782)




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