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Handwerkerlied


Uns weckt zu Mühsal, Sorg und Plag

Des Morgens Auferstehn,

Doch, wenn verglüht der heiße Tag,

Dann lassen wir des Lebens Klag

In Liedern untergehen.

 

Da ziehn wir durch die stille Nacht

Hinaus mit lautem Sang,

Das Tagwerk ist in Schweiß vollbracht,

Das Herz wird laut, und schallend macht

Sich frei der Seele Drang.

 

Wir sind doch gar zu schlecht daran,

Wir mühen uns zu Tod, —

Die Welt sieht uns verächtlich an;

Der wir im Schweiß doch unterthan,

Und gibt uns kärglich Brod.

 

Wir mühen unser Leben ab

Und haben nichts davon,

Wir darben für der Anbern Hab —

Im Tode ein gemeinsam Grab

Ist unser höchster Lohn.

 

Mir müssen ass den Banden los,

Es grünt des Lebens Baum,

Und Alle nährt der Erde Schooß,

Denn Gott ist gut, die Welt ist groß

Wir haben Alle Raum!

 

Was arm! was reich! — o Schmach der Zeit!

Sind wir nicht Alle gleich?

Wenn Jeder seine Kräfte weiht,

Nicht mehr will, als ihm Müh verleiht,

Dann sind wir Alle reich.

 

Dann sind wir ans den Banden los —

Es ist kein eitler Traum,

Und Alle nährt der Erde Schooß,

Denn Gott ist gut, die Welt ist groß —

Wir haben Alle Raum!



(* 20.08.1819, † 30.05.1904)




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