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Für Jordan


Es lag in stillem Grimme

Das deutsche Vaterland,

Der Zorn als heiße Thräne

In jedem Auge stand.

 

Du hast das Volk betrogen,

Du lügend Fürstenwort —

So scholls von Mund zu Munde,

So scholls an jedem Ort.

 

Als euch von fremden Joche

Des Volkes Mut befreit,

Da wart ihr Fürstenlügner

Zu Allem wol bereit.

 

Ihr spracht zum Volke:

Haue Des Feindes Joch entzwei.

Dann sollst du, uns befreiend,

Auch selber werden frei!

 

Da hast du uns gelogen,

Du falsches Fürstenwort!

So scholl von Mund zu Munde

So scholls an jedem Ort.

 

Und wie aus dunklen Wolken

Der Blitze hellleuchtend fährt,

So hat sich manches Antlitz

Im Drang des Sturmes verklärt.

 

Mit liebevollem Sinne,

Mit edlem Freimut stand

Der Jordan vor den Fürsten

Und sprach fürs ganze Land.

 

Und rief: Wir haben Freiheit

Und Frieden euch gebracht,

Nun haltet auch in Treue,

Was ihr dem Volk verspracht!

 

Und als er so gerufen

Der Liebe freies Wort,

Da führten sie in Ketten

Zur Kerkernacht ihn fort,

 

Und dachten nicht der Schande

Und dachten nicht des Fluchs,

Der aus solch großem Frevel

Dem Fürstenwort erwuchs.

 

Und dachten nicht der Herzen,

Die ihre Lüge brach,

Nicht über Waisenthränen

Und Mutterqualen nach. -

 

Und manches Jahr verschäumte

Und manche Stimme rief —

Vergebens — noch liegt Jordan

Im Kerkerdunkel tief.

 

Es hält ihn noch gefangen

Der Lüge Sündenspruch —

O Deutschland, ruf ihm

Gegen So wie dem Frevel Fluch!

 

Und eine Spende reiche

Dem armen Weib und Kind,

Bis einst der Tag der Freiheit

Die Thränen trocknet lind!



(* 20.08.1819, † 30.05.1904)




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