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Erdeinsamkeit


O wir sind einsam –

Grenzenlos einsam!

 

Brüder! Meine Brüder!

Habt ihr bedacht schon:

Wie einsam wir sind?

 

Wir rollen dahin

In engen Bezirken,

Und ob wir auch tasten –

Mit pochendem Geistesfinger tasten

An die Pforten des Alls:

Unserer Weltennachbarn

Kein einziger spürt uns . . .

 

Sie kreisen und kreisen –

Und ob wir auch träumen,

Daß durch die Himmel

Ein einiges Ahnen

Geflügelt sich schwingt –

Auf Strahlenbrücken

Von Stern zu Stern

Bewußtsein trägt

Und brünstig wirbt,

Tiefen erwühlend,

Um der Botschaft Erhörung:

 

Brüder! O meine Brüder!

Es ist nur ein Traum,

Und keine der Leuchten,

Der Myriaden Leuchten,

Die unser Auge gebiert,

Erhört unserer Träume

Rauschenden Flügelschlag . . .

 

Sie sind alle so blind . . .

Sie sind alle so taub . . .

Und der sie bewegt,

Der urgeborene Geist,

Gab ihnen das Leben, –

Doch Leben heißt Grenze . . .

 

Aber der Tod ist der Meister,

Der da säet Staub und erntet Staub

Und über uns Alle,

Die menschengezeugt,

Hat sich der Cypresse Trauerlaub

Herabgebeugt! . . .

 

Und wir trauern . . .

Wir trauern.

Denn die Himmel sind leer,

Ob sie auch leuchten . . .

 

Wir wollen uns lieben, meine Brüder,

Denn wir sind einsam . . .

 

Wohl leuchten die Himmel,

Und ihr Leuchten berückt

Uns die Seele so ganz.

 

Und sie heben hinaus uns

Ueber irdische Kleinheit,

Den Engpaß des Lebens . . .

 

Doch wir sind sterblich.

 

Drum wollen wir heimkehren, meine Brüder,

Und wollen uns lieben

Mit geläuterten Sinnen . . .

 

Denn wir sind einsam . . .



(* 12.07.1862, † 08.03.1890)




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