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Seejungfräulein


(in tiefem, stillverhaltenem Schmerze)

 

Sterben zu müssen...

Zu Schaum auf den Wogen zergehn!

Ach! Schon bleichen die Sterne...

Wenn der Sonne erster

Roter Strahl

Fällt auf das gleitende Schiff,

Sink′ ich hinab! Und nimmer

Schaue Ihn ich wieder, um den

Vor stummen Sehnen mein Herz vergeht,

- Der friedlich lächelnd

Schlafend ruht.

An der Seite - die Königsbraut...

Sterben zu müssen! -

Wenn Menschen sterben,

Fliegt ihre Seele

In ferne himmlische Lande, -

In′s schimmernde Paradies!

Doch ich -

Arme, kleine

Seejungfrau -

Kann nimmer dahin! Auf den Wogen

Muß treiben als toter Schaum!

Nun schweben schon

In klarer Höh′

Rosige Morgenwölkchen,

Klagende Stimmen

Säuseln und weh′n,

Wehen über das Meer! -

Wie lange hört′ ich sie nicht? -

Ist′s der Geschwister

Schwimmende Schaar?

So traurig klingt ihre Klage! -

So sangen sie mir

Vor alter Zeit:

Meiden sollt′ ich die Menschen!

Sangen mir Weisen

Seltsam und süß,

Von Menschen-Glück

Und von Menschen-Weh,

Von fernen Wundern

Im Paradies!

Und wie wir - nimmer sie schauten!

... Nur wenn ein Mensch vor Lieb′ und Lust

Zöge bebend mich an die Brust,

Und seine Seele in mich flösse,

Die ew′ge Lieb′ in mich ergösse,

Daß jäh, wie Schwertes scharfe Schneid′,

Durchzuckt mich Menschen-Lust und -Leid, -

Nur dann, - nur dann -

Gewänn′ ich das Paradies!

Nur wenn ein Mensch mich liebt′

- und nie verließ...

 

(mit leidenschaftlichem Entschluß)

 

Einmal noch - muß ich ihn sehn!

Einmal nur - und dann vergehn!

Will zurück den Vorhang schlagen,

Wo des Zeltes Pforten ragen!

Ach! - Wie bist du wunderschön!

Du, den ich voll Lieb′ und Schmerzen

Stumm getragen tief im Herzen!

Still, o Herz! Was pochst du so?

Lächelt er im Traum nicht froh?

An der Seite, süß und traut,

Ruht ihm nicht die Königsbraut?

Still, o Herz! Nicht poche so!

Auch an meiner warmen Brust

Hat geruht er, unbewußt,

Da aus Sturmes-Wut und -Wogen

Erdwärts ich ihn einst gezogen!

Lebe wohl nun, Menschensohn!

Flammend glüht′s am Himmel schon!

Deines Hochzeitmorgens Licht

Leib und Herz mir jäh zerbricht!

Bin geworden heimatlos

In des Meeres tiefem Schoß!

Heimatlos im Menschenland,

Da der Braut Du zugewandt!

Ach! Vor Lieb′ und Liebeslust

Zogst mich nimmer an die Brust!

- Daß Deine Seele in mich flösse,

Die ew′ge Lieb′ in mich ergösse!

Doch fühl′ ich - jäh - wie Schwertes Schneid′,

In mir nun Menschen-Qual und -Leid!

Die Sonne kommt! - Dir - geb′ sie Glück!

Mich faßt - der Tod! - In′s Meer

Stürz′ ich zurück! - O Tod!! -

 

(sehr leise, staunend)

 

Ist dies - der Tod?

- Ich fühl′ es - Leben?

Licht und frei

Im Glanz zu schweben!?

Aufwärts

Selig sich erheben!?

 

(allmählich bewegter)

 

Goldne Strahlen

Allerorten

Aus den weiten

Himmelspforten!

Frieden in der Morgenhöhe!

Nirgends Dunkel, nirgends Wehe!

Friedensfeier

Auf dem Meere!

In den Lüften

Sel′ge Chöre!

Tausend leuchtende Gestalten!

Tausend himmlische Gewalten!

Überall nur Wunderklänge!

Rauschend liebliche Gesänge!

Immer höher Glanz und Wonne!

Immer leuchtender die Sonne!

Immer tiefer Weh und Welten!

Näher stets den Himmelszelten!

Alleluja aus der Ferne!

Neue glüh′nde Sonnensterne!

Paradieses

Heil′ge Schwelle!

Ewig klaren Lichtes Quelle!

Jauchzend wogt es:

Alleluja!

Alleluja! Hell und heller!

Alleluja aus der Ferne

Neuer glüh′nde Sonnenterne!

Alleluja! Alleluja!

In Ewigkeit! - Alleluja!



(* 02.04.1805, † 04.08.1875)




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