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Für Musik


1.

 

Ich nenn′ und ich flüstre und atme dich nicht;

Es ist Schmerz in dem Klang, es ist Schuld im Gerücht;

Nur die brennende Trän′ auf der Wang′, o mein Herz,

Verrät dir den tiefen, den schweigenden Schmerz.

 

Zu kurz für das Glück, für den Frieden zu lang

Entschwanden die Stunden, berauschend und bang;

Wir brachen die Kett′ und entsagten dem Glück,

Wir scheiden, wir fliehen, - und kehren zurück.

 

O mein sei die Reue und dein sei die Lust!

Vergib, o mein Leben! - verlaß, wenn du mußt; -

Das Herz, das dich liebte, verlier es die Ruh,

Doch beugt es und bricht es kein anderer als du.

 

Stolz wider die Stolzen, voll Demut vor dir

Ist die Seel′, ob es dunkelt und stürmet in mir;

Und die Tage sind schnell und die Stunden sind schön

Bei dir, o mein Herz, wie in seligen Höhn.

 

Dein Auge voll Liebe, dein Seufzer voll Leid

Bannt oder vertreibt, straft oder verzeiht,

Und verhöhne die Welt mein Entsagen vor dir,

Antwortet, o Lippen nicht ihnen, - nur mir!

 

 

2.

 

O lacrimarum fons, tenero sacros

Ducentium ortus ex animo: quater

Felix, in imo qui scatentem

Pectore te, pia Nympha, sensit.

Grays Poemata.

 

Kein Glück ist , das die Welt uns gibt, dem gleich,

das sie uns nimmt,

Wenn die Glut der jungen Seel′ erlischt

und ihr Gefühl verglimmt;

Nicht bloß auf weichen Wangen ist der Jugend Duft verweht,

Auch des Herzens zarte Blüte welkt,

eh′ Jugend selbst vergeht.

 

Und die Wen′gen, deren Haupt im Sturm

und Schiffbruch oben bleibt

Und ans Riff der Sünde oder weit ins Meer der Taumels treibt,-

Ihr Kompaß fehlt nun oder zeigt vergeblich auf das Land,

Dannach die Barke nimmermehr ihr flatternd` Segel spannt.

 

Und die Grabeskälte sinkt ins Herz,

wie Tod sich niedersenkt,

Fühllos für fremde Qual und starr,

wenn`s an die eigne denkt;

Im dumpfen Frost gefroren ist all unserer Tränen Quell,

Und ob das Auge funkeln mag,

es ist von Eis so hell.

 

Ob der Witz von sprüh′nder Lippe fließt

und Scherz entwölkt die Brust,

In den nächt′gen Stunden, die schon lang von

Schlummer nichts gewußt,

So ist es nur, wie Efeulaub

den morschen Turm umrankt;

Von außen grünt es frisch und wild,

was drinnen klafft und wankt.

 

O könnt′ ich fühlen, könnt′ ich sein,

wie ich gefühlt und war,

Und weinen, wie ich einst geweint, um manch

entschwundnes Jahr,

Wie die Wüstenquelle lieblich dünkt,

die bittres Salz enthält,

So flössen jene Tränen mir in dieser öden Welt.

 

 

3.

 

Keine gleicht von allen Schönen,

Zauberhafte, dir!

Wie Musik auf Wassern tönen

Deine Worte mir,

Wann das Meer vergißt zu rauschen,

Um entzückt zu lauschen,

Lichte Wellen leise schäumen,

Eingelullte Winde träumen,

 

Wann der Mond die Silberkette

über Fluten spinnt,

Deren Brust im stillen Bette

Atmet wie ein Kind:

Also liegt mein Herz versunken,

Lauschend, wonnetrunken,

Sanft gewiegt und voll sich labend.

Wie des Meeres Sommerabend.

 

 

4.

 

Die Hoffnung, sagen sie, ist Glück,

Doch echte Lieb′ Erinnerung schätzt

Und ruft den schönen Traum zurück;

Er kam zuerst, er flieht zuletzt.

Und was Erinnerung versüßt,

Und was die Hoffnung eingebüßt,

Verschmilzt nun mit Erinnerung.

 

Ach! Trug ist alles Traumgesicht:

Die Zukunft log noch alle Zeit;

Was ihr erinnert, seid ihr nicht,

Und mögt nicht denken, was ihr seid.

 



(* 22.01.1788, † 19.04.1824)




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