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Das Lied des Landproletariers


(Nach Thomas Hood)

 

Ein Spaten, ein Rechen, ein Karst,

Eine Hacke – was es sei!

Ein Tuch zum Sä′n, eine Sense zum Mäh′n,

Ein Flegel – einerlei!

Und hier ist ′ne rüst′ge Hand!

Eine Hand für jede Wucht!

Eine Hand, die hart und erfahren ward

In der Arbeit rauher Zucht!

 

Eine Hand, die den Graben zieht,

Die den Eichbaum kappt oder fällt,

Die aufs schwüle Land die Schwaden legt,

Und umbricht das starre Feld;

Die den Weizenschober deckt,

Die den Roggenschober häuft,

Und nimmer doch – seid unbesorgt! –

Nach Schwamm oder Zündholz greift.

 

Wann hätt′ ich Scheuer und Hof

Zu entflammen je begehrt?

Der Brand, den zu stiften mich verlangt

Ist auf des Hauses Herd!

Ist der Brand, der lustig strahlt,

Wo Kinder wimmeln und schrei′n;

Ist der Brand, um den zur Winterszeit

Sie spielen und sich freu′n;

O, wie anders färbt er ihr bleich Gesicht,

Als flackernder Höfe Schein!

 

Ihm, der die Dürre schickt

Auf die Flur in seinem Zorn;

Ihm, der die Wiesen ertrinken läßt,

Und den Mehltau wirft aufs Korn:

Ihm stell′ ich es anheim,

Zu gebieten seiner Glut,

Daß des Wucherers Garben sie zerschlägt,

Und die Himmel färbt wie Blut.

 

Ein Spaten, ein Rechen, ein Karst,

Eine Hacke – was es sei!

Ein Tuch zum Sä′n, eine Sense zum Mäh′n,

Ein Flegel – einerlei!

Laßt das Scheit mich hau′n, laßt das Land mich bau′n,

Laßt mich zackern durchs Gefild,

Und flick′ ich der Wildbahn morschen Zaun,

Glaubt nicht, ich dieb′ euer Wild!

 

Ja, gebt mir Arbeit nur –

Und seiner Gnaden Reh

Und seiner Wohlehrwürden Haas

Sind sicher, wo ich geh′!

Nicht brech′ ich ein beim Lord

Um sein blinkend Silberzeug;

Stoß′ den Yeoman, der ′nen Seckel trägt,

Nicht in Graben oder Teich!

 

Wo immer Arbeit ruft –

Nicht die schwerste schlag′ ich aus!

Ich steh′ meinen Mann, ich greif′ sie an,

Zu entgehn dem Armenhaus:

Wo ein grimm und rauh Gesetz

Schier die Luft mißgönnt dem Kind:

Wo Weiber, vor der Männer Tod,

Schon verdammt zu Witwen sind.

 

Das nur ist mein Begehr:

Zu verdienen, zwischen Licht

Und Dunkelheit, zu jeder Zeit,

Was zum Leben mir gebricht!

Mein täglich Brot, mein nächtlich Bett,

Mein Speck, meinen Tropfen Bier:

Doch nur von der Hand, die da hält das Land –

Geht mit dem Kirchspiel mir!

 

Kein Armengeld für mich!

Ich bin des Bodens Sohn,

Durch mein Recht auf Arbeit wohl befugt,

Zu verlangen meinen Lohn!

Was Gaben! – Arbeit gebt!

Hier ein Arm und hier ein Bein,

Die Kraft, die Sehnen eines Manns –

Und ich soll ein Bettler sein?!

 

Adams Erbe bin auch ich!

Ja, wie niedrig auch mein Los;

Zehrt ihr auch von der Erde Fett,

Und ich vom Magern bloß;

Ist mein Rock auch kahl, meine Kost auch schmal: –

Unser Anrecht bleibt sich gleich!

Und was ich habe, dank′ ich Gott,

Ihr Herren, und nicht euch!

 

Ein Spaten, ein Rechen, ein Karst,

Eine Hacke – was es sei!

Ein Tuch zum Sä′n, eine Sense zum Mäh′n,

Ein Flegel – einerlei!

Zu allem bin ich bereit,

Was ihr ehrlich bieten könnt!

Bin′s mit Muskel und Sehn′ – und Weh′ über den,

Der mir meinen Lohn mißgönnt!

 

Der allsamstäglich beknappt

Meiner Heller knappe Zahl;

Der den Armen gibt an der Kirchentür,

Doch sie gestern erst bestahl!

Der Schilling, den er zu sparen glaubt,

Wird dem Kargen doch nicht frommen:

Im Spittel oder im Zuchthaus gar

Soll er mir zugute kommen!



(* 17.06.1810, † 18.05.1876)




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