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Das Haar


O Vlies des Wellen auf die Schultern fluten!

O Locken, schwer von müdem Wohlgeruch,

Erinnerungen, die da träumend ruhten,

Verzückung fühl′ ich durch den Abend gluten,

Breit′ ich die Locken wie ein wehend Tuch.

 

Asiens Schmachten, Afrikas Erglühen,

Die Ferne fühl′ ich, längst verwehte Luft,

Duftenden Wald aus deinen Tiefen sprühen.

Mag Andrer Geist auf Tönen schwellend blühen,

Der meine, Liebe, schwimmt auf deinem Duft.

 

Dorthin, wo Baum und Mensch voll Saft und Leben

In Sonnenglut sich dehnt zu langer Rast,

Seid Flechten, Wellen mir und lasst mich schweben,

Meer, schwarz wie Ebenholz, du sollst mir weben

Den Traum von Segel, Flamme, Ruder, Mast.

 

Träumend will ich des Hafens Lärm durchschreiten,

Tief atmen will ich Duft und Ton und Licht,

Wo Wellen schwer wie Gold und Atlas gleiten,

Die mächtigen Schiffe ihre Arme breiten

Zur ewigen Glut, die brausend niederbricht.

 

Tief tauche ich mein Haupt von Liebe trunken,

Ins dunkle Meer, drin jenes andre ruht,

Mein Sinn, umschmeichelt und ins Spiel versunken,

Erkennt dich wieder, Trägheit, Lebensfunken,

Ewiges Wiegen lässig müder Flut.

 

Du bläulich Haar, Tempel voll Finsternissen,

Um mich gebreitet webst azurnen Raum,

Ich trink′ auf weicher Locken flaumgem Kissen

Berauscht den Duft den süssen, Ungewissen

Von Bisam, Teer und Öl vom Kokosbaum.

 

Lang, immer werd′ ich auf die schweren Strähnen

Rubinen streuen, Perlen, Saphirstein,

Dass nie du taub wirst meinem Wunsch und Sehnen,

Oase meiner Träume, meiner Tränen

Kelch, draus ich schlürfe der Erinnrung Wein.



(* 09.04.1821, † 31.08.1867)




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