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Seelenzauber


Sie sagen, hingeschwunden sei

Die Schönheit, die dein Haupt bekränzte,

Als noch ein wolkenloser Mai

Der Jungfrau Leben heiter glänzte.

Gleichgiltig bald, bald heuchelnd spricht

Ihr achselzuckendes Bedauern:

Wie Schade, daß dieß Angesicht

"So früh versehrt von Gram und Trauern!"

 

Doch wo ihr Auge bloß die Spur

Vom Welken sieht und vom Verblühen,

Da sieht das meine wieder nur

Verklärung wundersam erglühen.

O nie hat deiner Schönheit Strahl

So tief so mächtig mich beweget,

Als seit der Schmerz sein heilig Maal

Auf deine reine Stirn′ gepräget!

 

Ja, dich umwallt ein reicher Glanz

Ob er auch Vielen sich verhehle!

Dein Antlitz, es ist Seele ganz,

Und seinen Zauber fühlt die Seele.

Es fasset mich in deiner Näh′

Ein schmerz- und freudenvolles Ahnen,

Und dieß geheimnißreiche Weh,

Wie Heimweh will es mich gemahnen.



(* 30.12.1814, † 05.07.1894)




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