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Letzte Aktualisierung:
18.05.2012 10:05









An einen unschuldig Leidenden


XXXIV.

Ein Brand-Pfall und ein Rad / Pech / Folter / Bley und Zangen /
Strick / Messer / Hacken / Beill / ein Holtzstoß und ein Schwerdt
Vnd sidend Oel / und Bley / ein Spiß / ein glüend Pferd /
Sind den’n nicht schrecklich die was schrecklich / nicht begangen.

Wer umb die Tugend leid’t / umb recht-thun wird gefangen
Vnd wenn es Noth sein Blutt / doch ohne Schuld gewehrt
Dem wird für kurtze Pein unendlich Preiß beschert /
Er wird den Ehren-Krantz / der nicht verwelckt erlangen.

Er lebt in dem er stirbt / er steigt in dem er fällt /
Er pocht was tödtlich ist und trotzt die grosse Welt /
Vnd küst die Ewigkeit die er ihm anvertrauet.

Hat nicht der höchste selbst sein höchstes Wunderwerck
Auff Salems Schädelberg vollbracht in höchster Stärck?
Der ist kein rechter Christ / dem für dem Creutze grauet.

Andreas Gryphius
(* 02.10.1616 , † 16.07.1664)



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