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Letzte Aktualisierung:
08.02.2012 19:31









Das fruchtlose Beyspiel


Unser deutscher Kaiser
Ist ein edler Mann,
Seine Unterthanen
Hört er selber an,

Spricht dann den Bedrängten
Rath und Tröstung zu,
Sorgt, selbst wann sie schlafen,
Noch für ihre Ruh'.

So will er dem Staate
Tag und Nacht sich weihn,
Nur durch Müh' und Sorge
Erster Kaiser seyn.

Doch sein hehres Beyspiel
Frommt mir armen nicht.
Seit ich Nettchen kenne,
Kenn' ich keine Pflicht.

Immer schwebt ihr liebes
Bild mir vor dem Sinn,
Und mein ganzes Wesen
Füllt die Zauberinn.

Denn ich seh' in jedem
Nullchen ihr Gesicht;
Amtsconcepte werden
Lied und Sinngedicht.

Kind, du bist mir immer
Unaussprechlich lieb!
Gerne will ich dich nur
Denken; - aber gib

Meinen Sinnen täglich
Nur sechs Stunden Frist:
Liebe, gib dem Kaiser,
Was des Kaisers ist.


Antwort

Lieber! ich begehre
Weniger, als du;
Eine Stund' gewähre
Mir nur täglich Ruh,

Alle meine Lieder
Weih' ich willig dir.
Aber gib mir wieder
Meine Andacht mir:

Dass du, statt der Priester
Am Altar, mir nicht
Mit dem Versregister
Kommest vor Gesicht;

Der mir, im Zerstreuen
Meines Geists, Gebeth,
Psalm und Litaneyen
Zum Gedicht verdreht.

Gern geb' ich dem Kaiser,
Was des Kaisers ist:
Gib dann auch, du Weiser!
Gott, was Gottes ist.

Gabriele von Baumberg
(* 24.03.1768 , † 24.07.1839)



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